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Salzlegung

I. VOM GLÜCK AM STÜCK

Bein im Salz
Hand im Salz
Fuß im Salz
Hals im Salz
Gott erhalt’s

Arm im Salz..Salzarm...

Oh!

Was bleibt vom Glück am Stück?
Zerstörtes Zerstoßenes Zerstückeltes

Glied für Glied
Maß für Maß
Stück für Stück
fügt sich der Körper zur Schrift an die Wand

Zerlegt: und gerettet
Auseinandergenommen: und zusammengetragen
Demontiert: und eingesalzen
Aufgehoben: und ausgestellt
Museumsreif: das Zerfallene
Nachweltsicher: das Eingemachte

Kein Stück im Unglück

Alles bewahrt
Alles in Butter
Alles im Salz


II DAS ECHO VON FRAU LOT

Vor Zeiten Unzeiten Urzeiten stand
der Salzkessel unter Aufsicht und
Sorge der Frauen -
Und glühte des Nachts
die Salzpfanne siedend
auf Bergen oder im heiligen Wald -
Ging alsbald die ängstlich-dunkle
Meinung im Volk auf
Hexerei -
und hat den Frauen das Salz entwendet.

Wohin hat sich gewendet: Frau Lot?
Wonach drehte sie sich um?
Zu erkennen: Frau Lot im Rückblick
erstarrt gerichtet gerettet nicht?

Zu erkennen: Frau Lot - ihr Bleiben
im Salz gebannt -
Die Gott im Salz hat,
die sucht er heim
die läßt er bleiben: als Säule -
für später - für immer

Zu erkennen: Die Rückkehr vom Salz
in Frau Lot.
War das ein Unglück für Frau Lot?
Sie ist nicht davon gekommen...

Und die sich nicht gewendet haben,
die, für die kein Bleiben war -
war des ein Glück für Herrn Lot
und Töchter?
Sie sind davongekommen
Sie wurden nicht Salz -
aber unscharf und dumm.


III DAS FELD BESTELLT

Als Feld: Salzfeld

Zu lesen in weißem Stein was war:
Was war, das steht im Salz -
Masken längst gegangener Füße
und ihres flüchtigen Gewichts.

Vergangenes Gehen
Gewesenes Stehen

Der Boden zeigt die tote Frucht
wie eine geronnene Form:
Fußsohle
Salzsole
Schrittkonserve
Bodensatz
Schollen aus dem sterilen Land.

Was bleibt
das schreibt sich ein ins Salz
und hält sich blaß
und gibt nichts preis
wovon es weiß:
Von Wegen Orten Zeiten
Vom Leben Land und Leuten
und schweigt.

Nur manchmal
in gewissem Licht
scheint es als ob
aus seinem Glänzen
noch etwas zu entziffern ist.

IV BLEICH - ZEICHEN

Auf der Karte die weißen Flecken -
Das was von Auslöschung bleibt:
Als Rand als Rest als Schliere
Kaum Abdruck kaum Umriß kaum Spur.
Vielleicht ein hellerer
Schatten davon
das Aufleuchten beim Vergehen -

So wie das Haar im Ergrauen
silbern die Farbe verliert
und farblos erstrahlt und
kündet blasser
von Zeitlichkeit -
So setzt sich
anstelle des Blutes
das Salz:
Auf Dauer und kalt und
satt und verschlossen -
so sonnensüchtig blind und
unverderblich haltbar und
leblos überlebend und
letzter Schluß der Weisheit
wie der Sterbensmut:
Macht klug den
der seine Wunden nicht mehr lecken muß,
dem schärft er das Gedächtnis und
den Blick
dem würzt er das Erinnern und die Tränen.

WONACH MEIN SCHWEISS SCHMECKT

WONACH DIE GEISS LECKT

WOVON DER SCHNEE SCHMILZT

WAS DU AUF’S EI WILLST...

Klaus Möller Tübingen

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